Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche und in ihr die St. Paulsgemeinde Allendorf/Ulm glaubt, lehrt und bekennt die Heilige Schrift Alten und Neuen Testamentes als unfehlbares Wort Gottes und einzigen Grund, Regel und Richtschnur des Glaubens.
Sie versteht sich als Teil der einen, heiligen, allgemeinen (d.h. katholischen) und apostolischen Kirche, hält aber daran fest, volle Kirchengemeinschaft nur mit solchen Kirchen feststellen und vorbehaltlos praktizieren zu können, die sich an die Heilige Schrift und an die Bekenntnisse der Lutherischen Kirche als deren zutreffende und ausschließlich verbindliche Auslegung binden.
Bekenntnisse der Kirche, wie sie im Konkordienbuch von 1580 gesammelt vorliegen, wie sie in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche verbindlich gelten, weil in ihnen die schriftgemäße Glaubenslehre der Kirche bezeugt ist und auf die die Pfarrer der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche bei ihrer Ordination verpflichtet werden sind:
- Das Apostolische Glaubensbekenntnis
- Das Nicänische Glaubensbekenntnis
- Das Athanasianische Glaubensbekenntnis
- Der Große und Kleine Katechismus Luthers
- Die Augsburgische Konfession und ihre Apologie
- Die Schmalkaldischen Artikel
- Die Konkordienformel
Die Inhalte
- Die Heilige Dreifaltigkeit: Wir glauben an den Einen, dreieinigen Gott, den Vater, der das Universum erschaffen hat und erhält, den Sohn Jesus Christus, der wahrer Mensch und wahrer Gott ist, geboren aus der Jungfrau Maria durch den Heiligen Geist, der uns erlöst hat durch seinen stellvertretenden Opfertod am Kreuz, den Heiligen Geist, der in den Menschen den Glauben wirkt und sie im rechten Glauben erhält und in der Kirche sammelt.
- Die Heilige Schrift: Wir glauben, dass die Heilige Schrift Alten und Neuen Testamentes Gottes unfehlbares Wort an die Menschen ist, nach dem alle Lehren und Lehrer in der Kirche beurteilt werden müssen.
- Die Rechtfertigung: Wir glauben, dass der Mensch nicht durch eigene Leistungen oder Verdienste, nicht durch seinen (immer unvollkommenen) Gehorsam, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus gerettet, erlöst und vor Gott gerechtfertigt wird. Wir bekennen, dass der Glaube das Heil ergreift, das Christus uns durch sein Leiden und Sterben und durch seine Auferstehung erworben hat.
- Der Glaube: Wir glauben, dass wir nicht aus eigener Kraft oder Vernunft zu Christus und zum Glauben an ihn kommen können, dass wir uns nicht durch einen Akt eigener freier Entscheidung zu Christus bekehren können, sondern dass Glaube, Umkehr und Christusbekenntnis Wirkungen der Gnade Gottes des Heiligen Geistes sind.
- Die heiligen Sakramente: Wir glauben, dass Christus Sakramente (hl. Taufe, hl. Abendmahl und hl. Beichte bzw. Absolution) gestiftet hat, also heilige Handlungen, in denen der auferstandene Herr Jesus Christus selbst durch sein Wort unter bestimmten Zeichen wirksam an den Menschen heute handelt und sie mit Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit beschenkt.
- Die heilige Taufe: Wir glauben, dass Christus im Sakrament der Taufe durch Wasser und Geist einen Menschen zu einem wiedergeborenen Kind Gottes macht und ihn der Kirche, dem Leib Christi als lebendiges Glied einverleibt. Wir bekennen, dass die Taufe einmalig und unwiederholbar ist und auch Säuglinge das Heil in Christus in der Taufe empfangen können und sollen.
- Das heilige Abendmahl: Wir glauben, dass wir im Hl. Abendmahl in, mit und unter dem gesegneten Brot und Wein in der Kraft des Wortes Gottes und seines Hl. Geistes den wahren Leib und das wahre Blut Jesu Christi zur Vergebung der Sünden und zur Stärkung des Glaubens empfangen und dadurch Gemeinschaft mit Christus und untereinander haben.
- Die heilige Beichte: Wir glauben, dass uns Christus in der Lossprechung der Beichte wirksam unsere Sünden erlässt und vergibt, wenn wir unsere Sünden bekennen und seinem Vergebungswort glauben.
- Weitere kirchliche Handlungen: Wir glauben außerdem, dass Gott auch in weiteren heiligen Handlungen (Konfirmation, kirchl. Trauung, Ordination oder Weihe, Krankensalbung) unter uns wirkt. Dabei wird Gottes Geist durch einen berufenen und ordinierten Hirten der Kirche für bestimmte Lebenssituationen und -ordnungen konkret und vollmächtig zugeeignet und sein Segen zugesprochen.
- Das apostolische Hirtenamt: Wir glauben, dass Christus in der Berufung der Apostel ein Dienst- und Hirtenamt gestiftet und mit gewisser Vollmacht ausgestattet hat, durch das Er selbst als der Auferstandene bis heute sein Wort verkünden und sein Heil und Segen austeilen lässt. Das Hirtenamt wird unter Gebet und Handauflegung seither in der hl. Ordination weitergegeben. Aufgrund der apostolischen Weisung kann es somit auch nur Männern übertragen werden.
- Die heilige Kirche: Wir glauben, dass die Kirche von Christus gestiftet wurde, um Menschen darin als Volk Gottes zu sammeln, im Glauben zu stärken und zu erhalten. Wir bekennen, dass die Kirche der Leib Christi, Christus das Haupt und wir die Glieder sind. Wir bekennen, dass die eine, heilige, allgemeine (d.h. katholische) und apostolische Kirche überall da erkennbar und sichtbar ist, wo das Evangelium schriftgemäß verkündigt und die Sakramente einsetzungsgemäß gereicht werden und dass die evangelisch-lutherische Kirche Teil dieser einen Kirche Jesu Christi ist.
- Das Gericht und die Vollendung: Wir glauben, dass Jesus Christus am Ende dieser Zeit und Welt sichtbar für alle Menschen wiederkommen wird und jeder sich vor ihm im Gericht zu verantworten hat. Wir glauben, dass allein der vertrauende Glaube an Jesus Christus uns aus dem ewigen Tod rettet. Wir glauben, dass der Unglaube den ewigen Tod, also die unumkehrbare Qual ewiger Gottesferne zur Folge hat. Wir glauben, dass Gott am Ende seine Schöpfung verwandeln, erneuern und vollenden wird und, die an Christus geglaubt haben Seine Herrlichkeit schauen.
Sünde - Erbsünde - Erlösung durch Christus
- Das innerste Wesen Gottes ist LIEBE (Gott ist die Liebe; 1. Johannes 6, 16)
- Aus Liebe hat Gott den Menschen sich zum Ebenbild geschaffen. (1. Mose 1, 27) Ebenbild bedeutet: Ein Gegenüber, ein Partner, der in der Lage ist, die Liebe Gottes in Freiheit zu erwidern oder diese Gegenliebe auch zu verweigern.
- Die Voraussetzung dafür ist: Gott musste den Menschen als freie Persönlichkeit erschaffen. Hätte er das nicht, wäre der Mensch kein freies Gegenüber, sondern eine Marionette, die auf Liebe programmiert worden wäre.
- Die Freiheit schließt die Möglichkeit ein, dass der Mensch sich für seine Autonomie, seine Unabhängigkeit von Gott entscheidet. Er kann eigene, Gott-lose Wege gehen und sein eigener Gott (=Schöpfer, Erhalter, Sinngeber, Befreier, Erlöser, Vollender) sein wollen.
- Mit der Erschaffung des Menschen in Freiheit geht Gott das Risiko der Lossagung des Geschöpfs vom Schöpfer ein. Das resultiert einerseits aus der Liebe Gottes, die das Urmotiv der Schöpfung ist, andererseits ist die Freiheit die Bedingung für die Möglichkeit des Glaubens (=Gegenliebe, unbedingtes Vertrauen auf Gott, seinen Willen und sein Wort bzw. Gebot als heilsamen, guten Willen).
- Der biblische Bericht vom Sündenfall erzählt, wie der Mensch seine von Gott geschenkte Freiheit missbraucht und seinen Eigenwillen über den erklärten Willen Gottes stellt.
- Dieses Misstrauen gegenüber Gottes Willen, das Gott unterstellt, dass SEIN Wille für den Menschen nicht gut sei, ist der Kern des Unglaubens. Und der Unglaube ist ein anderes Wort für Sünde. Darin besteht das Wesen der Sünde. (Sünde = vielleicht von Sund= Graben; oder absondern)
- Das eigensüchtige, Gott misstrauende Streben nach Autonomie gehört seit dem sog. Sündenfall zum Wesen des Menschen, der von Gott ursprünglich anders geschaffen und gewollt war. Nämlich als glaubendes=vertrauendes Gegenüber der Liebe Gottes.
Dies nennt die Bibel bzw. die kirchliche Überlieferung Erbsünde.
- Erb-Sünde meint: Der Mensch will seiner Natur nach grundsätzlich sich selbst verwirklichen, sein eigener Herr (=Gott) sein und lehnt Autorität ab. Er bewegt sich von der Quelle des Lebens weg, meint dabei, seine Freiheit zu verwirklichen, aber wird dabei verdursten.
Ohne das Gegenüber Gottes, der (in den Worten Jesu Christi) der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, bliebt der Mensch auf sich geworfen (in sich verkrümmt) und wird das Ziel, die Vollendung und das Leben verfehlen.
Das nennt die Bibel ewigen Tod, Verdammnis oder auch Hölle.
- Aus eigener Kraft, durch eigenes Nachdenken oder durch eigene Anstrengungen kann kein Mensch den Weg zu Gott zurück finden. In der Bibel wird für diesen Sachverhalt das Bild von dem Cherub (=Engel) mit dem flammenden Schwert verwendet, der vor dem Garten Eden postiert wird, um den Lebens-Raum Gottes (Paradies) zu schützen. (vgl. 1 Mose 3, 24)
- Weil Gott seinem innersten Wesen nach die Liebe ist und sich selbst nicht untreu werden kann, ist es SEIN Ziel, den Menschen als Gegenüber (Partner) für sich zurück zu gewinnen. Gott geht von Anfang an dem in Sünde gefallenen Menschen nach. (vgl. 1 Mose 3, 9: Gott geht Adam (=hebräisches Wort für Mensch) nach und ruft ihn Adam, wo bist du?)
- So wie Gott am Anfang aus Liebe das Risiko eingegangen ist, den Menschen als freie Persönlichkeit zu erschaffen, so geht er im Laufe der Weltgeschichte das Risiko ein, sich den Menschen in die Hände zu geben:
Das geschieht dadurch,
dass er nicht stumm und unnahbar bleibt, sondern sich Menschen offenbart;
dass er seinen heiligen Namen offenbart (Jahweh= ‚Ich bin, der ich bin‘ oder ‚Ich bin der, der mit euch ist‘);
dass er Menschen als Propheten (von Abraham bis Johannes dem Täufer), also Verkündiger seines Liebeswillens und seiner heilsamen Gebote in den Dienst nimmt;
dass er am Ende in Jesus Christus Mensch wird und sich den Menschen leibhaft in die Hände gibt, leidet, am Kreuz stirbt und aufersteht.
- Wo und wann immer ein Mensch durch diese nachgehende Liebe Gottes auf seinem Weg umkehren (bekehren) und sich in Liebe, Vertrauen und Glauben Gott wieder zuwenden lässt, stellt Gott die Verbindung zu sich, der Quelle des Lebens, wieder her. Das heißt: Rettung oder Erlösung.
- Wo ein Mensch wieder Anschluss an die Quelle des Lebens findet, kann der irdische Tod nicht mehr das letzte Wort über ihn haben. Er hat das ewige Leben, sagt die Bibel.
- Gott selbst erleidet in Seinem Sohn Jesus Christus das Schicksal, das jeder Mensch erleiden müsste, der an seiner Gottlosigkeit bis zum Lebensende festhält: Er erleidet die absolute Gottverlassenheit, das Leiden ohne jeden Sinn, das Versinken ins Nichts.
In Christus erleidet Gott dieses Schicksal stellvertretend für alle Menschen.
Das ist der tiefste Ausdruck der Liebe Gottes.
- Jeder Mensch, der sich durch Jesus Christus zu Gott zurückrufen lässt und sich in unbedingtem Vertrauen auf Gott verlässt, d.h. an Gott den dreieinigen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist glaubt, ist erlöst. Der hat, was er glaubt: Vergebung der Sünde (Singular) und der Sünden (Plural), Sinn, ewige Geborgenheit, Trost, ein Ziel, Leben, das über den irdischen Tod hinaus bleibt.
- Damit gelangt auch Gott an Sein Ziel: Der glaubende, der erlöste Mensch muss nicht mehr ins Nichts versinken, nicht sterben. Er bleibt, wozu er von Gott bestimmt wurde: Ein Gegenüber Gottes, Gottes Ebenbild, eine unverwechselbare Persönlichkeit, die in Freiheit die Liebe Gottes vertrauensvoll erwidert.