Unser Gottesdienst

Einleitung

Die christliche Gemeinde versammelt sich zum Gottesdienst in der Gewissheit und Freude, dass Jesus Christus wirklich vom Tod auferstanden ist, lebt und unter uns wirklich da ist. Darum feiert sie den Sonntag, den Auferstehungstag Christi, als den Tag des Herrn.

Wir trauen auf Christi Wort, das er mitten unter uns ist, wenn wir in seinem Namen zusammenkommen. So gleicht der lutherische Gottesdienst dem festlichen Einzugs eines Königs. Jesus Christus der König kommt zu seiner Gemeinde in der Verkündigung seines Wortes, in der heiligen Taufe, in der heiligen Beichte und im heiligen Abendmahl. Als Gemeinde Jesu Christi begrüßen wir ihn durch Anbetung und Lobpreis und nehmen ihn selbst auf im Hören auf sein Wort und Empfangen der heiligen Gaben. Gottesdienst ist darum Gottes Dienst an uns, worauf wir durch unseren Dienst für Gott antworten. Die lutherische Kirche weiß sich in ihrem Glauben und Bekennen verbunden mit der einen heiligen allgemeinen (d.h. katholischen) Kirche aller Zeiten und an allen Orten. Darum feiern wir den lutherischen Gottesdienst nach der Ordnung, die in Jahrhunderten gewachsen und durch die lutherische Reformation neu zur Geltung gekommen ist.

Der Name unseres Gottesdienstes

„Man wirft den Unseren zu Unrecht vor, sie hätten die Messe abgeschafft. Denn es ist offenkundig, daß die Messe, ohne uns rühmen zu wollen, bei uns mit größerer Andacht und mit mehr Ernst gehalten wird als bei den Gegnern. … So ist auch an der öffentlichen Zeremonie der Messe keine nennenswerte Änderung vorgenommen worden, außer daß an einigen Orten deutsche Gesänge neben dem lateinischen Gesang gesungen werden, um das Volk dadurch zu belehren und einzuüben. Denn alle Zeremonien dienen in erster Linie dazu, daß das Volk dadurch lernt, was von Christus zu wissen notwendig ist.“ So weit ein kleiner Abschnitt aus dem grundlegenden Bekenntnis der lutherischen Kirche, dem Augsburger Bekenntnis von 1530, Artikel 24 von der Messe. Auch nachzulesen in unserem Evangelisch - Lutherischen Kirchengesangbuch (ELKG) Seite 1253.

Dementsprechend heißt unser Gottesdienst offiziell auch: „Der Hauptgottesdienst mit Predigt und Heiligem Abendmahl. Die heilige Messe der evangelisch-lutherischen Kirche.“ Sie entspricht in Aufbau und Struktur der abendländischen Messe und berücksichtigt die Messreform Martin Luthers (s.u.). Das Wort Messe ist ein Fremdwort. Es kommt aus dem Lateinischen (missa) und heißt „Sendung“. Sendung und Segnung erfolgen am Schluss des Gottesdienstes. „Gehet hin im Frieden des Herrn. Gott sei ewiglich dank.“ Dann erteilt der Pfarrer den Segen.

Messe meint also nichts anderes als ein Gottesdienst, der aus Wortverkündigung und Feier des Heiligen Abendmahls besteht. Wir können gerade als Lutheraner unverkrampft mit dem Begriff „Messe“ umgehen. Denn unsere lutherischen Bekenntnisschriften reden von Messe, wenn sie ihre eigenen Gottesdienste meinen, und unsere Gottesdienstordnung tut dies ebenso.

Die Feier unseres Gottesdienstes

In der St. Paulsgemeinde feiern wir sonntags abwechselnd einen Hauptgottesdienst mit hl. Abendmahl (Messe) und einen so genannten Predigtgottesdienst ohne Abendmahl. An allen kirchlichen Feiertagen feiern wir selbstverständlich aber den „vollen“ Gottesdienst in Form der hl. Messe.

Zugrunde liegt dem Gottesdienst die Evangelisch-Lutherische Kirchenagende (erschienen im Verlag Herder, Freiburg 1997, hrg. von der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche). In diesem von einer Kirchensynode verabschiedeten Buch ist die verbindliche Form unserer Gottesdienste festgelegt. Sie hat sich durch die Geschichte der Kirche des Abendlandes hindurch herausgebildet. Wenn wir also diesen Gottesdienst feiern, stellen wir uns ganz bewusst auf die Schultern aller rechtgläubigen Christen. Durch die liturgische Form unserer gottesdienstlichen Feier drücken wir somit also unsere Verbundenheit mit der einen, heiligen, allgemeinen (d.h. katholischen) und apostolischen Kirche Jesu Christi aller Zeiten und Orte aus.

Der Gottesdienst ist bei aller erkennbaren und beabsichtigten Verwurzelung in der kirchlichen Tradition jedoch kein museales Schauspiel: Lebendige und zeitgemäße Bewahrung des Bewährten vermittelt Geborgenheit und Verlässlichkeit und gibt zugleich Wegweisung und Trost in den Fragen und Nöten unserer Gegenwart. Die hl. Messe ist dabei aber eine Ordnung, die uns davor bewahrt, jede Mode mitzumachen und traditions- und geschichtsvergessen in Beliebigkeiten abzurutschen. „Halte die Ordnung, dann hält dich die Ordnung“ - das ist eine alte Mönchsregel, die auch für unseren Gottesdienst gilt. Der liturgische Rahmen verleiht Sicherheit, bewahrt die Gemeinde davor, den Launen und Lieblingsgedanken eines Pfarrers ausgeliefert zu sein. Denn fast jedes Wort unserer Liturgie hat biblischen Ursprung und lässt sich im Alten und Neuen Testament wieder finden. Gebete und Lobgesänge der allerersten Christengemeinden prägen noch heute unsere Liturgie.

Sinnenfreudig ist der Gottesdienst Ausdruck der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und unseres Dankes für die Erlösung. Gesten, Körperhaltungen, Farben, Gewänder, Formen, Musik haben im lutherischen Gottesdienst ihr Recht und ihren Platz. Wir verstehen den Gottesdienst nicht als Schul- oder Informationsveranstaltung, sondern als heilige Feier der um ihren Herrn Jesus Christus versammelten Gemeinde. Er selbst ist hier gegenwärtig. Er selbst leitet, lehrt, weidet und tröstet seine Gemeinde mit seinem Wort und durch seine Sakramente.

Zur Ordnung der Heiligen Messe der ev.-luth. Kirche...